Mit Windkraft auf Stein gemahlen ...

so lautet das Motto des Müllermeisters Eckhard Meyer, dessen Bardowicker Windmühle die Unternehmerfrauen im Rahmen ihrer diesjährigen Weihnachtsfeier besichtigten. Bereits 1812 kann Johann Friedrich Meyer  mit Hilfe des liberalen französischen Gewerberechts den jahrhundertelangen Widerstand Lüneburgs gegen den Bau einer Windmühle überwinden und errichtet am Westrand Bardowicks eine holländische Windmühle.  1862 wird ein Antrag auf Errichtung einer Dampfmaschine gestellt, um auch bei Windstille mahlen zu können. Trotz Einspruch der Stadt Lüneburg – sie befürchtet eine zu starke Konkurrenz für ihre drei Wassermühlen – wird dem Antrag stattgegeben. Ersetzt werden auch die Segelflügel durch Flügel mit Jalousieklappen. Weiter bekommen Mühlenturm und Haube eine Eindeckung aus Naturschiefer und eine Windrose übernimmt nun die automatische Vordrehung der Flügel in den Wind. Am 07. September 1907 erwirbt Georg Meyer (Sohn des Mühlenbesitzers aus Handorf) die Mühle. Er führt nach und nach zeitgemäße Verbesserungen ein, so verbindet er zwei Jahre später die Mühle mit einer Drescherei. Bedingt durch Versorgungsmängel während des ersten Weltkrieges sind die zum Betrieb erforderlichen Kohlen von einer derart schlechten Beschaffenheit, dass der Müller morgens immer erst vier Stunden vorheizen muss, um dann zwei Stunden mahlen zu können. Daraufhin nimmt Georg Meyer die Lokomobile im Jahre 1915 heraus und baut einen Sauggasmotor ein. 1928 folgt eine moderne Mehlmühle, bestehend aus einem Walzenstuhl, einem Mahlgang und einer Zentrifugalsichtmaschine. 1930 werden zwei neue Schrotgänge eingebaut. Am 01. Juli 1936 übernimmt sein ältester Sohn Georg die Mühle. Er lässt 1938 eine Getreidereinigung einbauen und ersetzt 1939 die Zentrifugalsichtmaschine durch einen Plansichter, welcher von nun an die Trennung von Schale und Mehlkern übernimmt.

Während des zweiten Weltkrieges, der Junior ist eingezogen, wird der Betrieb zunächst vom Senior weitergeführt, dann aber stillgelegt. Aus britischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt nimmt Georg Meyer Junior die Mühle am 08. Januar 1947 wieder in Betrieb.
Die Mühle ist in keinem guten Zustand. Zunächst kann er nur mit Windkraft und einem Schrotgang arbeiten - es muss viel repariert und improvisiert werden. Aber eine umfassende Grunderneuerung kann jedoch nicht finanziert werden. Im Jahre 1952 wurden Flügelkreuz, Kappe, Windrose und die Königswelle ausgebaut. Die Mühle erhält ein Spitzdach und die Maschinen werden auf elektrischen Antrieb umgerüstet. Aber Georg trotzt den strukturellen Veränderungen (viele Kleinmühlen geben in dieser Zeit auf) und macht weiter. Ab Herbst 1962 übernimmt ein Lkw den Lastentransport, welcher zuvor, Generation für Generation durch Pferd und Wagen bewerkstelligt wurde.

Im Jahre 1967 übernimmt Georg`s Sohn Manfred die Mühle. Der strukturelle Wandel ist noch in vollem Gange. Es geben immer mehr Bauern und Bäckereien auf, die eigentliche Kundschaft. Zunächst intensiviert Manfred den Gemüseanbau, um die zurückgehenden Umsätze im Mühlengeschäft zu kompensieren. Zudem werden einige Getreidesilos errichtet um die in der Ernte angelieferten Getreidemengen einlagern zu können. 1988/1989 werden die Anbauten der Mühle erneuert und ein Verkaufsladen eingerichtet und es wird überlegt, ob die Rekonstruktion des Windantriebes nicht doch realisierbar ist.
Im Frühjahr 1990 stellt Manfred einen Antrag auf öffentliche Zuschüsse für die Wiederherstellung des Windantriebes. Anfang 1994 steht die Entscheidung – der Windantrieb wird wieder hergestellt. Im Juli 1994 ist Baubeginn und, nach nur 3 Monaten Bauzeit, werden am 19. November die Flügel in Betrieb genommen. Das neue Flügelsystem ist eine Entwicklung aus Holland „Ten-Have-Klappen mit Fokken“, welches einen guten Wirkungsgrad hat und einfach zu handhaben ist. Von nun an kann das Getreide wieder mit Windkraft gemahlen werden, oder bei Windstille auch elektrisch.

Noch 1996 erfolgt der Bau einer Lagerhalle. 1997 wird der Mühlenhof gepflastert. Kontinuierlich wird der Verkaufsladen erweitert. So dass heute auf 200 m² Naturkostprodukte, Futtermittel und Gartenbedarf angeboten werden können. 1998 werden neue Silozellen installiert um   bei der Getreidelagerung flexibler auf unterschiedliche Getreidearten & -qualitäten reagieren zu können. Im Jahr 2000 wird eine neue Mühlenreinigung mit diversen Reinigungsaggregaten eingebaut. 2005 erfolgt Bau eines Backhauses mit Holzbackofen, in dem unser „Mühlenbrot“ und leckerer Butterkuchen gebacken werden. In den Jahren 2011 / 2012 entsteht im Blumengarten neben der Windmühle aus altem Eichenfachwerk errichtet „Meyer`s Cafe Mühle“. Im Jahre 2013 feiert die Windmühle ihren 200`sten Geburtstag.

Viel Wissenswertes erfuhren die Unternehmerfrauen bei ihrem Gang durch und um die Mühle herum. Bei einem gemeinsamen Abendessen klang die Weihnachtsfeier gemütlich in Meyers Cafe Mühle aus.


[zurück]